Ausstellung

„Sound goes Image“: Künstler machen was sie wollen

Sound goes Image – Partituren zwischen Musik und Bildender Kunst heißt eine Sonderausstellung des Horst-Janssen-Museums in Oldenburg. Unter anderem werden Arbeiten von Karlheinz Stockhausen gezeigt.

Arbeit von Karlheinz Stockhausen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Gehören Notenschriften ins Kunstmuseum? Für Dr. Jutta Moster-Hoos, Leiterin des Horst-Janssen-Museums in Oldenburg, ist das keine Frage. „Denn wo ist die Grenze zur bildenden Kunst“, fragt sie bei der Vorstellung der Sonderausstellung „Sound goes Image – Partituren zwischen Musik und Bildender Kunst“, die ab sofort zu sehen ist. Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem Phänomen der musikalischen Grafik und eröffnet Museumsbesuchern eine völlig neue Perspektive. Erstmals kann man Zeichnungen und Grafiken sehen und hören.

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Es geht um Partituren, die zunächst in den Bereich der Musik gehören, aber spätestens seit der New York School of Composers in der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr nur klassische Notenschriften sind. „Hier verschwimmen die Grenzen zur Bildenden Kunst und es entstehen wunderbare, individuelle und bildhafte Handschriften“, schwärmt sie. „Von farbig gestalteten und ungewöhnlich angeordneten Notenlinien über comicartige, lautmalerische Partituren bis hin zu gänzlich freien, rein gestischen Zeichen, die jedoch immer als Kompositionen gelesen werden können.“

In der Ausstellung werden 16 Positionen gezeigt. Das jüngste Werk entstand 1959. Autografen unter anderem von John Cage, Hanne Darboven, William Engelen, Roman Haubenstock-Ramati, Karlheinz Stockhausen oder Jorinde Voigt werden gezeigt. Es handelt sich um Notenschriften, die einerseits Kompositionen darstellen, andererseits wie ein eigenständiges Kunstwerk betrachtet werden können.

Robert Morans Arbeit erinnert an Wassily Kandinsky und wurde nie aufgeführt.

Robert Morans Arbeit erinnert an Wassily Kandinsky und wurde nie aufgeführt.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Robert Morans Arbeiten erinnern auf den ersten Blick an Wassily Kardinsky und wurden nie aufgeführt. „Act If“ heißt Roman Haubenstock-Ramatis Arbeit. Hier entdeckt man Noten, Fragmente von Zeitungsartikeln und ein bisschen fühlt man sich an ein Bergpanorama erinnert. Es gibt aber auch übermalte Partituren oder sakrale Werke von Karlheinz Stockhausen. „Künstler scheren sich schon lange nicht mehr um Gattungen und setzen das um, was ihnen persönlich als spannend und herausfordernd erscheint“, sagt Moster-Hoos. Und so wird in dieser Schau deutlich, „wie Grenzen mit Vorliebe überschritten werden.“

„Die musikalische Schrift öffnet sich in Richtung Bild. Komponisten experimentieren mit Notationen, weil ihnen der Rahmen der konventionellen Notenschrift zu eng erscheint“, sagt die Kölner Musikwissenschaftlerin und Kuratorin Gesa Finke. „Die Erzeugung von Klängen wird nicht länger klassischen Musikinstrumenten oder Singstimmen überlassen. Zudem entstehen Grafiken, deren musikalische Umsetzung nur eine von vielen Interpretationsmöglichkeiten ist. Diese Entwicklungen schlagen sich in einer individuellen Schreibweise der Partitur nieder“, ergänzt Moster-Hoos.

Musizieren ist also eine Art, Grafik zu interpretieren und zwar experimentell und humorvoll, wie die Ausstellung beweist. Zudem bietet die Schau nicht nur etwas für die Augen. Hörbeispiele ermöglichen den Museumsgästen, die Partituren, die sie vor Augen haben, auch akustisch nachzuvollziehen. Darüber hinaus können die Besucher an einzelnen Stationen selbst aktiv werden und sich musikalisch ausprobieren.

Die Ausstellung ist bis zum 30. April im Horst-Janssen-Museum Oldenburg Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Infoheft erschienen, das den Museumsgästen kostenlos zur Verfügung steht.

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