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1700 Hörforscher befassen sich mit Folgen von Lärm

1700 Experten nehmen an der Tagung zur Hörforschung in Oldenburg teil.

1700 Experten nehmen an der Tagung zur Hörforschung in Oldenburg teil.
Foto: privat

Oldenburg (zb) 14 Prozent der deutschen Bevölkerung ist hörgeschädigt. Die Tendenz ist aufgrund des demografischen Wandels steigend. Nicht alle Betroffenen tragen ein Hörgerät, aber die Bereitschaft dazu wird immer größer.

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Dazu tragen vor allem die zahlreichen weltweiten Innovationen von Akustikern und Audiologen bei. Die diskutieren gegenwärtig an der Universität Oldenburg. Rund 1700 Experten aus aller Welt befassen sich dort mit aktuellen Ergebnissen der Hörforschung. Um das Leitthema „Hören für alle“ drehen sich die 40. Deutsche Jahrestagung für Akustik (DAGA) und die 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie (DGA).

„Erstmals findet die bedeutendste Akustik-Tagung in Europa, die DAGA, zeitgleich an einem Ort mit der DGA-Jahrestagung statt. Das unterstreicht die Bedeutung der Oldenburger Hörforschung und die Rolle, die sie in der Stadt spielt“, erklärt der Oldenburger Hörforscher und Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, der Pionier der Hörforschung, der vor 20 Jahren den Grundstein für die Hörforschung in Oldenburg legte. Inzwischen hat sich sein Fachgebiet längst etabliert und sorgt dafür, dass Menschen mit Hörproblemen schlaue Hörgeräte nutzen können, die unserem natürlichen Hörvermögen immer näher kommen.

Laut Kollmeier sind inzwischen viel mehr Menschen bereit, Hörgeräte offensiv zu tragen. „Ihr Image, ein klobiger Klumpen zu sein, gehört der Vergangenheit an“, freut sich der Experte. 1982 wurden 100.000 Geräte angepasst, im vergangenen Jahr waren es eine Million. Schließlich ist ein gut funktionierendes Hörgerät eine moderne Kommunikationshilfe. Vor allem in der Gruppe der Senioren. „Jeder zweite Mensch über 65 Jahre ist hörgeschädigt“, sagt Kollmeier. „Die modernen Geräte mit kaum sichtbarem Mikroschlauch beinhalten enorme Technologieerfolge“, weiß der Oldenburger Wissenschaftler, der seit 20 Jahren daran forscht.

Tatsächlich spielt Lärm eine große Rolle in unserem Leben. Sind wir ihm ausgesetzt, weil der Nachbar seinen Rasenmäher, die Säge und den Kantenschneider aktiviert, fühlen wir uns von dem Krach gestört und tatsächlich ist er krank machend. Verursachen wir den Lärm selbst, empfinden wir ihn als weniger störend. So verhält es sich auch mit anderen Lärmquellen.

„Doch, und das ist nicht ausreichend im Bewusstsein der Menschen, wer sich einem massiven Schall aussetzt, muss damit rechnen, sich dauerhaft geschädigt zu haben“, macht DGA-Präsident Prof. Dr. Tobias Moser klar. Das gilt sowohl für sehr laute Maschinengeräusche als auch für Diskobesucher oder Autoinsassen, die mit ihrem Radio ganze Straßenzüge beschallen.

Bei der Akustik-Tagung dreht sich alles um die Erzeugung, Ausbreitung und Verarbeitung von Schall sowie um die Wirkung von Schall auf den Menschen. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind vielfältig: So beschäftigt sich beispielsweise die Kraftfahrzeug-Akustik aktuell mit der Frage, wie Fahrzeuge weniger Lärm abstrahlen und ihr akustischer Komfort optimiert werden kann. Zudem diskutieren die Wissenschaftler neue Ergebnisse aus Akustik-Forschung und Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen hier Themen wie Audiotechnik, Bauakustik, Fahrzeugakustik, Lärmschutz und Sound Design.

Ferner geht es um die Ursachen von Hörstörungen und um die Diagnostik und Behandlung von Hörstörungen und der Rehabilitation schwerhöriger und ertaubter Patienten. Thema ist auch die Rehabilitation und Diagnostik von Hörstörungen mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten. Die klare Botschaft der Doppeltagung lautet: Wenn es irgend möglich ist, sollte man sich keinem größeren Lärm aussetzen und so wenig Lärm wie möglich verursachen, denn er schädigt nicht nur das Gehör sondern auch die Nerven.

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