Theater

„Krieg der Welten“, eine packende Performance

Thomas Lichtenstein ist wie Pirmin Sedlmeir im Krieg der Welten ein schauspielerisches Multitalent.

Thomas Lichtenstein ist wie Pirmin Sedlmeir im „Krieg der Welten“ ein schauspielerisches Multitalent.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) – Der Experte vom Planetarium spricht best gelaunt von einem gewaltigen Naturschauspiel, das die Polarlichter weit in den Schatten stellen wird. Aus diesem Grund wird er das Interview jetzt auch abbrechen und es sich mit seiner Frau mit Wein und Liege im Garten gemütlich machen. In Hannover auf dem Kröpcke herrscht ausgelassene Volksfeststimmung in Erwartung der Ereignisse, die aus dem All kommen. Das Radio berichtet live vom Ort des Geschehens …

Die Nation wartet gespannt auf die Gaswolke, die der Mars in den Weltraum geschleudert hat und mit gewaltiger Geschwindigkeit auf die Erde zurast. Die Zuschauer in der ausverkauften Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters warten indes auf die Premiere von „Krieg der Welten“, dem legendären Hörspiel von Orson Welles und Howard Koch aus dem Jahr 1938.

Oder hat sie schon begonnen? Es plätschert Musik aus den Lautsprechern, Verkehrsmeldungen und Jingles sind zu hören. Der gut gelaunte NDR2-Moderator, perfekt gespielt von Raijko Geith, verspricht seinen Hörerinnen und Hörern einen galaktischen Abend. Er schickt „Stardust“ von „unserer“ Lena über den Sender. Keine Bedrohung durch Bakterien oder grüne Männchen in Sicht. Und wenn doch? Kein Problem, das Radio weiß, was zu tun ist. Dranbleiben und informiert sein. Die Experten haben alles durchgeplant und einen eventuellen Notfall im Griff. Der galaktische Abend läuft an.

Die Zuschauer sind bereits mittendrin. Nicht das bekannte Hörspiel wird es an diesem nachhaltigen Theaterabend geben. Das Regieteam mit der Medienkünstlerin Luise Voigt und dem Dramaturgen Jonas Hennicke hat ein nicht beeinflussbares Ereignis als multimediale Theaterperformance vor unsere Haustür geholt. Willkommen im „Krieg der Welten“ im Oldenburger Land. Drei Stehpulte und ihr großes Können reicht den drei Schauspielern, um das Publikum in 90 Minuten in ein Szenario zu entführen, das immer bedrohlicher wird und dem es sich nicht entziehen kann. Der Raum ist sparsam ausgeleuchtet. Der Fokus liegt auf dem Wort. Der einlullende Beginn mit Radiogeplänkel weicht schnell der packenden Realität. Oder doch alles nur Theater?

Schauspielkunst vom Feinsten

Neben Moderator Raijo Geith sind es Thomas Lichtenstein und Pirmin Sedlmeir, die rund ein Dutzend Rollen verkörpern. Vom Landwirt, auf dessen Scheune in Dünsen in der Samtgemeinde Harpstedt im Landkreis Oldenburg der Meteorit einschlägt, über rational getrimmte Experten der Bundeswehr und des Katastrophenschutzes bis zum ergriffenen Moderator vor Ort, der am Kraterrand oder aus dem Hubschrauber live vom Geschehen berichtet, reichen die Rollen. In besonderer Erinnerung bleibend auch der Mann, der bereits in seiner Kindheit Kontakt zu Außerirdischen hatte, dem aber niemand Glauben schenkte und immer wusste, dass sie zurückkommen werden. Personen, Stimmen und Charaktere wechseln im hohen Tempo, dass es eine Freude ist, dieses Hörspiel auch zu sehen. Schauspielkunst vom Feinsten. Die Theatertechniker zeigen wieder einmal mit ihrem Ton, Licht und Video ihr Können. Erwähnenswert der Sounddesigner Björn SC Deigner.

Bei Moderator Raijko Geith weicht die Gute Laune-Routine dem Unfassbaren.

Bei Moderator Raijko Geith weicht die Gute Laune-Routine dem Unfassbaren.
Foto: Stephan Walzl

Im Studio, fernab vom Geschehen, ist der sichtlich um Besonnenheit bemühte Radiomoderator auf Außendarstellung angewiesen, um seine Hörerschaft auf dem Laufenden zu halten. Amüsieren und gruseln ob dieser authentischen Darstellung des Geschehens liegen dicht beieinander. Die Zuschauer „hängen“ an den Lippen der Protagonisten, wie Hörer an den Lautsprechern ihres Radios. Man kann verstehen, warum damals das Hörspiel von Orson Welles als real empfunden wurde und Panik unter der Bevölkerung in den USA auslöste. Stürmischer Applaus.

Weitere Vorstellungen: 28. November, und 18. Dezember, jeweils um 20 Uhr.
Mehr Informationen unter www.staatstheater.de.

Vorheriger Artikel

Anthe Sterkenburg ausgezeichnet

Nächster Artikel

Lamberti-Markt: Vorweihnachtliche Stimmung

4 Kommentare

  1. Michael
    23. November 2015 um 13:30 — Antworten

    Liebe Redaktion!

    Ob sich ein Versuch lohnt, die Infos dem Lemma “Krieg der Welten” bei Wikipedia hinzuzufügen? Ein online-Medium wie die ooz hat vielleicht eine Chance, damit durchzudringen…

    • Anja Michaeli
      23. November 2015 um 13:46 — Antworten

      Versuch macht kluch 😉 Wir geben die Idee an den Kollegen weiter. Danke!

  2. Volker
    23. November 2015 um 17:29 — Antworten

    OOZ goes Wikipedia! Wenn das kein Aufmacher ist, weiß ich auch nicht weiter!

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *