Innenstadt

Flüchtlinge: „Wir wollen gute Nachbarn sein!“

Flüchtlinge demonstrieren in Oldenburg für Frauenrechte.

Laut Polizei nahmen rund 450 Menschen an der heutigen Demonstration teil.
Fotos: Anja Michaeli / Christian Kruse

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Oldenburg (am) – „Wir wollen gute Nachbarn sein“ skandierten am heutigen Nachmittag rund 450 Teilnehmer – mehrheitlich Flüchtlinge – bei ihrem friedlichen Demonstrationszug für die Rechte von Frauen vom Bahnhofsvorplatz rund um die Oldenburger Innenstadt. Die IBIS-Interkulturelle Arbeitsstelle hatte auf Wunsch von Flüchtlingen zur Demonstration unter dem Motto „2000 Flüchtlinge sind 2000 Menschen und nicht 2000 Täter“ aufgerufen. Die Abschlusskundgebung fand auf dem Schlossplatz statt.

Organisiert wurde die Demonstration von IBIS-Interkulturelle Arbeitsstelle. „Unsere Deutschschüler sind über die Übergriffe verzweifelt und fühlen sich hilflos“, so IBIS-Geschäftsführer Uwe Erbel, „sie haben Angst, dass sie für etwas verantwortlich gemacht werden, wofür sie nicht stehen.“ Er habe die Sorge, dass die Taten Schule machen würden. Es könne sein, dass sie organisiert wurden und werden. „Das ist für mich eine neue Form des Terrors. Ich befürchte, dass damit Rassismus geschürt wird und dass Flüchtlingen Übergrifflichkeiten gegenüber Frauen grundsätzlich zugeschrieben werden.“

„Wir demonstrieren gegen die Angriffe auf Frauen und wollen die Atmosphäre verbessern“, erklärt der 20-jährige Iraker Kaiad seine Teilnahme an der Demonstration. „Wir haben was dagegen, was in Köln und auch in Oldenburg passiert ist. Dagegen demonstrieren wir.“

Die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln und am vergangenen Mittwoch in Oldenburg wurden in den IBIS-Kursen thematisiert. „Meine Schüler wunderten sich, warum die Menschen sie an den Haltestellen meiden und weggehen“, erzählt Stefanie Riepe, die Deutsch für Anfänger bei IBIS unterrichtet. Gemeinsam habe sie mit ihren Schülern entsprechende Zeitungsartikel übersetzt. „Der Wunsch Hilfe leisten zu können, war groß“, so Riepe. Wie sie sich als Beobachter bei solchen Übergriffen auf Frauen verhalten können, wurde deshalb anschließend geübt.

Auf der Abschlusskundgebung sprachen unter anderem Ilyas Yanc (IBIS-Flüchtlingsberatung) und Frank Wegener (DGB). Mousa Mazidi (IBIS-Flüchtlingsberatung) übersetzte die Reden. „Wir fordern schon lange eine Verschärfung des Sexualstrafrechts“, betonte Rita Schilling (Geschäftsführerin von der Beratungsstelle Wildwasser). „Dabei sind den Beratungsstellen die Hautfarben der Täter egal, sie müssen auf jeden Fall zur Verantwortung gezogen werden.“ Und weiter: „Das Phänomen, dass wie in Köln und anderen Städten die Gewalt von Gruppen ausgeht, ist neu für uns. Wir fordern eine konsequente Verfolgung der Täter.“ Aber die Beratungsstellen seien gegen Hetze und pauschale Verurteilungen von Flüchtlingen.

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1 Kommentar

  1. Karl
    15. Januar 2016 um 19.40 — Antworten

    IBIS? Sehen die etwa schon ihr Geschäftsmodell den Bach runtergehen?

    ibis site:bamf.de filetype:pdf

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