Kultur

Landesregierung tut sich schwer mit NS-Raubkunst

Dr. Marcus Kenzler ist noch bis Oktober 2015 als Provenienzforscher im Landesmusuem für Kunst und Kulturgeschichte tätig, um NS-Raubkunst aufzuspüren. Danach endet sein Vertrag.

Dr. Marcus Kenzler ist noch bis Oktober 2015 als Provenienzforscher im Landesmusuem für Kunst und Kulturgeschichte tätig. Danach endet sein Vertrag.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Während des Nationalsozialismus wurde vor allem Juden Kunst und Kulturgüter aus politischen und ideologischen Gründen entzogen oder geraubt oder sie mussten sie weit unter Wert verkaufen. Die Objekte fanden sich in Museen aber auch in privaten Haushalten wieder. Betroffen waren vor allem viele Juden aus dem Oldenburger Land.

Die Kulturstaatsministerin des Bundes, Monika Grütters, die Kulturministerinnen und -minister der Länder und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände haben jüngst beschlossen, gemeinsam ein „Deutsches Zentrum Kulturgutverluste“ in Magdeburg zu gründen. Denn fast 70 Jahre nach dem Ende des Naziterrors befindet sich immer noch NS-Raubkunst in deutschen Museen. Alle öffentlichen Einrichtungen sind also aufgerufen, ihre Kulturgutbestände zu überprüfen und unklare bzw. verdächtige Vorgänge offen zu legen. Doch das geht nur mit ausgewiesenen Fachleuten, eben Provenienzforschern.

Erste Schritte sind bereits in den vergangenen Jahren unternommen worden. So auch im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Dort gelang es dem Direktor Prof. Dr. Rainer Stamm Geld vom Bund für eine auf drei Jahre befristete Stelle eigens für Provenienzforschung zu bekommen, die im Oktober 2015 ausläuft. Die Provenienzforschung widmet sich der Geschichte, der Herkunft (Provenienz) von Kunst.

In Oldenburg ist Dr. Marcus Kenzler seit zwei Jahren dafür zuständig und das ausgesprochen erfolgreich. Er besitzt eine besondere Kompetenz in Hinblick auf die Spezifika der Region und entdeckte bereits mehrfach Raubkunst in den Beständen des Museums.

Im Landesmuseum sind es Tausende Objekte, die der Provenienzforscher überprüfen müsste und auf Jahre damit vollständig ausgelastet wäre. Denn sobald es sich bei einem Objekt um NS-Raubkunst handelt, versucht Kenzler die legitimen Erben ausfindig zu machen, was u.a. auch sehr viel kriminalistischen Spürsinn erfordert und einer Sisyphusarbeit gleichkommt. Oft führen die Spuren ins Ausland bis auf andere Kontinente.

Doch was wird aus seiner Arbeit, die ja ausdrücklich gewollt ist, wenn seine Stelle im Oktober 2015 endet? „Im Haushalt der Landesregierung ist eine solche Stelle nicht hinterlegt“, sagt der Oldenburger SPD-Landtagsabgeordnete Ulf Prange. Die Landesregierung begrüße die Provenienzforschung zwar grundsätzlich, verfüge aber über keine Mittel, weshalb das Landesmuseum die Stelle aus eigenen Mitteln finanzieren müsse, heißt es seitens des Ministeriums auf Nachfrage des Abgeordneten.

Gerade SPD und Grüne haben wiederholt die Bedeutung der Provenienzforschung betont. Jetzt, wo sie regieren, könnten sie solche Stellen fest installieren und Provenienzforschung verstetigen. Zurzeit beraten die Landtagsfraktionen den Haushalt. Da wird sich zeigen, wie wichtig ihnen die Aufarbeitung unserer beschämenden Geschichte tatsächlich ist oder ob es nur Lippenbekenntnisse sind und dieses Geschichtskapitel weiterhin unbearbeitet bleibt. Bisher gibt es im Bereich Provenienzforschung lediglich eine halbe Stelle in ganz Niedersachsen, die das Land finanziert, und die ist in Hannover angesiedelt.

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