Staatstheater: „Die Kunst der Komödie“ amüsiert mit Niveau

„Die Kunst der Komödie“ mit Kammerschauspieler Thomas Birklein (rechts) und Hagen Bähr in den Hauptrollen ist derzeit im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheater zu sehen.
Foto: Stephan Walzl
Oldenburg (vs) Eine Komödie mit Tiefgang und knapp am Klamauk vorbei, ist „Die Kunst der Komödie“ von Eduardo De Filippo. Im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters wurde die gelungene Inszenierung vom ehemaligen Oldenburger Schauspieldirektor Peter Hailer, der auch die neue deutsche Fassung geschrieben hat, vom Premierenpublikum mit langem Applaus gefeiert. Besonders Kammerschauspieler Thomas Birklein wurde für seine Abschiedsrolle als Theaterdirektor Oreste Campese mit herzlichem Applaus geehrt, bevor er am Ende dieser Spielzeit in den Ruhestand geht. In einer weiteren Hauptrolle glänzt Hagen Bähr als im weiteren Verlauf des Stückes zunehmend ungehaltenen Präfekten De Caro. Noch präsenter und intensiver spielt Anna Seeberger die Rolle der sehr agilen Kabinettssekretärin Giacoma Franci, die verzweifelt bemüht ist, dem Wirren zwischen Realität und Wirklichkeit auf der Bühne Herrin zu werden.
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Theaterdirektor Oreste Campese ist der erste Gast, der sich am ersten Tag des Präfekten vorstellt, um sein Bitten um Unterstützung vorzutragen. Mit allerlei Anekdoten amüsiert er den neuen Verwaltungsbeamten in einem ländlichen Provinznest, bevor dieser nach anfänglichem Interesse und Verständnis allmählich die Geduld verliert. Nach und nach werden der verwirrte, Maroni kauende Priester (Matthias Kleinert), die egozentrische Apothekerin (Franziska Werner), die sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlt, die komplett überforderte Lehrerin (Paulina Hobratschk) sowie der Apotheker (Christian Epp) mit allerlei Absurditäten vorstellig. Letztendlich kommt es zu einer Wette zwischen dem engagierten Theaterdirektor und dem Präfekten. Oreste Campese wettet in Folge seiner Ablehnung darum, dass De Caro seine Schauspieler/innen nicht von den echten Amtsträgern/innen unterscheiden kann. Die Verwirrung zwischen Wahrheit und Fiktion nimmt ihren Lauf. Wem kann man trauen und wem nicht.

Matthias Kleinert (rechts) spielt in der Oldenburger Inszenierung von Peter Hailer den Priester Padre Salvati. Die Bühne und Kostüme kreierte Anna Brandstätter.
Foto: Stephan Walzl
Absurditäten amüsieren
In der sozialkritischen Komödie aus dem Jahr 1964 sind erstaunlicherweise bereits Parallelen zur heutigen Zeit zu erkennen. Sein Stoff aus der Mitte der 60er Jahre ist überraschend aktuell und nicht nur in Italien präsent. Die Akzeptanz und Würdigung des Theaters als gesellschaftsrelevante Institution sowie die persönlichen Sorgen und Nöte der weiteren Protagonisten in ihrer eigenen Welt und ebenso stets auf der Suche nach Anerkennung in ihren jeweiligen Berufen, lassen sich problemlos auf heute übertragen. Dieser Bezug zur Gegenwart sorgt dafür, dass die Komödie nicht vollends im typischen Klamauk dieses Genres endet. Wie sich das Spiel in zahlreichen Komödien zwischen ‚Tür auf‘ und ‚Tür zu‘ bewegt, sind es bei Peter Hailer pausenlose Auftritte und Abgänge in Türen, Schränken und Schubladen. Davon gibt es reichlich in dem gelungenen und detailverliebten Bühnenbild von Anna Brandstätter (ebenfalls ehemaliges Oldenburger Theatermitglied) in Gestalt eines mit allerlei Dingen überfrachteten Amtszimmer im Charme der 60er Jahre. Sicherlich ist davon auszugehen, dass derartige Büros noch heute in den Behörden existieren.
„Die Kunst der Komödie“ traf bei ihrer Uraufführung in Neapel im Jahr 1965 den Nerv der Zeit, die aber ob ihrer Kritik am System nicht bei allen Anwesenden auf Zuspruch und Anerkennung traf. In der Gegenwart präsent ist der Stoff, der zum Glück dafür sorgt, dass dieses Stück sehenswert ist und nicht vollends als Klamotte abdriftet.
Informationen, Vorstellungstermine Karten gibt es unter www.staatstheater.de.
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