Stadtentwicklung: Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Die Heiligengeiststraße in Oldenburg ist das Sorgenkind der Innenstadt. Es gibt Leerstand und weitere Traditionsgeschäfte schließen.
Foto: Katrin Zempel-Bley
Oldenburg (zb) „Steigende Einwohnerzahlen, steigende Gewerbesteuereinnahmen und noch nie so viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigte wie gegenwärtig kennzeichnen die Situation der Stadt Oldenburg“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. „Es ist uns noch nie so gut gegangen wie heute.“ Damit die Entwicklung weiterhin positiv verläuft, müssten jedoch allerhand Anstrengungen unternommen werden, kündigt er an.
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„Der wirtschaftliche Boom ist maßgeblich auch auf zahlreiche gewerbliche Ansiedlungen zurückzuführen. Durch Gewerbeflächen, die die Stadt Oldenburg in den vergangenen 15 Jahren verkauft hat, sind rund 3500 Arbeitsplätze entstanden“, berichtet Klaus Wegling, Leiter der Wirtschaftsförderung. Pro Jahr wurden bis zu fünf Hektar Gewerbeflächen veräußert. Doch inzwischen werden die Gewerbeflächen knapp. „Vereinzelte Grundstücke sind noch in unserem Bestand, aber unsere Vorräte gehen zur Neige und wir dürfen nicht blank laufen“, warnt Krogmann. Deshalb erstellt die Verwaltung jetzt ein Gewerbeflächenentwicklungskonzept, um einen detaillierten Überblick über die noch freien Stadtflächen zu erhalten.
Sowohl brachliegende Gewerbeflächen, die von Firmen verlassen wurden, als auch ungenutzte freie Gewerbeflächen in privatem Besitz hat die Verwaltung stets im Visier. „Fakt ist, dass private Besitzer, wenn sie auf das Geld nicht angewiesen sind, sich gegenwärtig nicht von ihren Flächen trennen wollen“, beobachtet Krogmann. Große Flächen im städtischen Besitz wie auf dem ehemaligen Fliegerhorst werden derzeit beplant – sowohl für den Wohnungsbau als auch für Gewerbe.
Heiligengeiststraße ist das Sorgenkind der Innenstadt
Im Blick hat der Oberbürgermeister auch die Innenstadt, die sich zwar großer Beliebtheit erfreut, aber die Stadtverwaltung aufhorchen lässt. „Wenn Traditionsgeschäfte in der Innenstadt schließen, dann müssen wir wachsam sein“, sagt er und meint die Schließung des Einrichtungshauses Ullmann und das bereits geschlossene Wiener Café an der Heiligengeiststraße. „Der Nordkopf der Innenstadt macht uns Sorgen“, erklärt Krogmann. Dort steht auch das CityCenterOldenburg (CCO) zum großen Teil seit Jahren leer und ein Kontakt zum Besitzer konnte bisher nicht hergestellt werden.
Neuerdings steht das Finanzamt leer, weil das Gebäude baufällig ist und die Mitarbeiter am Stubbenweg derzeit ein neues Domizil beziehen. Was aus dem alten Gebäude beziehungsweise dem Grundstück wird, weiß der Oberbürgermeister nicht. „Ich habe Finanzminister Schneider einen Brief geschrieben und hoffe auf eine zügige Entwicklung“, sagt er. Der Minister erklärte bei einem Besuch des neuen Finanzamtes in Oldenburg, dass er den Oberbürgermeister bald treffen werde, ihm aber keine genauen Auskünfte geben könne. „Wir befinden uns in der Erkundungsphase. Schließlich muss das asbesthaltige Gebäude abgetragen werden, was vermutlich sehr lange dauert. Was danach mit dem Grundstück passiert, darüber gibt es derzeit noch keine Pläne“, versicherte Peter-Jürgen Schneider auf Nachfrage. „Trotz der angesprochenen Probleme geht es Oldenburg blendend“, betont Krogmann abschließend und versteht seine Einlassungen als Warnung, sich nicht auf Lorbeeren auszuruhen.
4 Kommentare
„abgesprochene Probleme“? Nicht vielleicht angesprochene Probleme?
Ja. Danke für den Hinweis.
Es wird ja immer besser…
Kontakt zum Besitzer des CCO konnte nicht hergestellt werden? Gibts in Oldenburg kein Grundbuch?
Das, nunmehr ehemalige, Finanzamt ist nicht nur baulich nicht sicher, sondern auch durch Asbest belastet? Sowas kostet!
Das „Wiener Cafe“ ist nicht nur geschlossen, es ist bereits abgerissen – vermutlich für so einen Betonklotz eines Lego-Betonarchitekten, der sein Geld nicht mal im Ansatz wert ist.
Aber: Oldenburg gehts blendend – die Tiefgarage ist, dank frequenzverändendeder Stützen, immer noch nicht eingestürzt (keine Sorge, aufgeschoben ist nicht aufgehoben) und Geld haben die Oldenbürger im Überfluß, weswegen der Finanzminister ja auch mit strahlendem Lächeln den Umzug des Finanzamtes begleitete.
Dafür gibts von anderen „Fronten“ keine Entwicklungen zu vermelden – aber die, etwa die kulturelle Entwicklung in der Stadt, sind ja auch nicht so wichtig. Wer braucht da schon Fachleute…?
Wie sagte dereinst Prof. Liebermann in Berlin? „Ich kann gar nciht so viel fressen, wie ich k***** möchte!“
„frequenzverändendeder“
Jau. Sowas passiert, wenn man mitten im Wort bei aller Müdigkeit auch noch angesprochen wird. -Frequenzverändernde(r) Stützen-, muß das natürlich heißen. Ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter des Bauamts in meiner Nachbarschaft hat mir mal erklärt, was eigentlich auch ganz logisch ist. Stellt man zusätzliche Stützen auf, ist der Schwingungsboden kleiner und die Frequenz verändert sich – wie bei einer Gitarre, bei der sich ja auch die Frequenz ändert, wenn ich die Saite mal länger oder kürzer greife. An der Tatsache, daß der Boden schwingt und bereits angegriffen ist ändert das allerdings nichts und ist somit keine langfristige Lösung des Problems. Irgendwann bröckelts halt wieder weiter. Pfusch bleibt nun mal Pfusch.